Fast jedes Restaurant in einer Touristenstadt hat eine englische Speisekarte. Kaum eines bietet die nächste Sprache an. Dabei spricht in vielen Lokalen die größte Gruppe internationaler Gäste gar kein Englisch.
Der Grund ist nicht redaktioneller, sondern finanzieller Art: Bei manueller Übersetzung bedeutet jede weitere Sprache eine weitere Rechnung und ein weiteres Dokument, das gepflegt werden muss. Restaurants übersetzen deshalb ins Englische und belassen es dabei — selbst wenn jeder 3. Gast eine andere Sprache spricht.
Dieser Beitrag zeigt, welche Sprachen Sie tatsächlich brauchen und wie die Rechnung aussieht, sobald die Kostenhürde wegfällt.
Schritt 1: Zählen, wer tatsächlich kommt
Beginnen Sie nicht mit nationalen Tourismusstatistiken. Die Gäste Ihres Lokals können völlig anders zusammengesetzt sein als im Stadtdurchschnitt. Entscheidend ist, ob Sie an einer Touristenroute, neben einem Hotel oder in einem Wohnviertel liegen.
Methode 1: 2 Wochen Strichliste an der Kasse
Die einfachste und verlässlichste Methode. Das Team notiert 2 Wochen lang, in welcher Sprache ein Gast nach der Karte fragt oder spricht. 4–5 Spalten reichen: Landessprache, Englisch und die 2–3 Sprachen, die Sie vermuten.
Die Servicekräfte wissen das besser als jeder Bericht. Nur gefragt hat sie noch niemand.
Methode 2: Statistiken im Google-Unternehmensprofil
Die Profilverwaltung zeigt, über welche Suchanfragen Menschen Ihren Eintrag finden. Suchanfragen in anderen Sprachen — „restaurant near Sagrada Familia“, „restaurante en Malasaña“, „Restaurant Berlin Mitte“ — zeigen, wer nach Ihnen sucht, bevor er bei Ihnen ankommt.
Methode 3: Wer ist nebenan?
Gibt es im Umkreis von 300 Metern ein Hotel, Hostel, einen Bahnhof oder eine Sehenswürdigkeit, prüfen Sie, woher deren Gäste kommen. Die Rezeption nebenan kann Ihnen das in einem Gespräch sagen.
Schritt 2: Die Ergebnisse mit dem Standort abgleichen
Die Ergebnisse folgen meist 6 wiederkehrenden Mustern:
| Standort | Sprachen, die sich häufig ergeben |
|---|---|
| Historische Zentren: Barcelona, Prag, Lissabon | Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch |
| Skigebiete: Tirol, Savoie, Dolomiten | Deutsch, Niederländisch, Englisch, Französisch |
| Küstenorte: Costa del Sol, Algarve, Kanaren | Englisch, Deutsch, Niederländisch, Schwedisch |
| Grenzstädte: Aachen, Straßburg, Maastricht | die Sprache des Nachbarlandes vor Englisch |
| Regionalstädte abseits der Touristenrouten: Leipzig, Valladolid | Englisch plus die Sprache der größten örtlichen Zuwanderergruppe |
| Lokale nahe Logistikzentren und großen Landwirtschaftsbetrieben | die Sprachen der Beschäftigten, oft vor Englisch |
2 Beobachtungen aus der Praxis:
- Sprachen von Zuwanderergruppen werden unterschätzt. In vielen Lokalen bilden diese Gäste nach den Einheimischen die zweitgrößte Gruppe — Rumänisch in Italien, Türkisch in Deutschland, Ukrainisch in ganz Mitteleuropa. Zugleich ist genau diese Sprache auf keiner Karte verfügbar.
- An Grenzen und Küsten ist Deutsch oft wichtiger als Englisch. In Maastricht und an der Costa del Sol sprechen ältere deutsche Gäste häufig gar kein Englisch.
Schritt 3: Die Kosten berechnen
Hier zeigt sich, warum die Zahl der Sprachen fast nie eine redaktionelle Entscheidung ist.
Manuelle Übersetzung
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Übersetzung der Speisekarte in eine Sprache | 70–280 € |
| Gestaltung und Druck einer eigenen Version | 70–190 € |
| Jede Preisänderung | ein weiterer bezahlter Auftrag |
| 2. Sprache | alles oben ×2 |
| 3. Sprache | ×3 |
Bei 3 Sprachen und 2 Kartenänderungen pro Jahr sind das deutlich über 1.000 € und 6 Dokumente, die auf demselben Stand bleiben müssen. Deshalb macht es kaum jemand.
Eine digitale Speisekarte
| Posten | Kosten |
|---|---|
| 1. Sprache | im Abonnement enthalten |
| Jede weitere Sprache | 0 € |
| Preisänderung in allen Versionen | 0 €, eine Bearbeitung |
| Neues Gericht in allen Versionen | 0 €, eine Bearbeitung |
Sinken die Kosten einer weiteren Sprache auf null, ändert sich die Entscheidungslogik. Die Frage lautet nicht mehr „Lohnt sich eine spanische Karte?“, sondern „Was spricht dagegen?“. Auch ein spanischer Gast pro Woche bezahlt eine Rechnung.
Was es tatsächlich bringt
Für ein einzelnes Lokal gibt es keine belastbaren Zahlen. Der Mechanismus ist jedoch vorhersehbar und wiederholt sich in jedem Touristenrestaurant. Er besteht aus 4 Schritten:
- Wer die Karte nicht versteht, bestellt auf Nummer sicher. Der Gast nimmt, was er erkennt — meist das günstigste und am leichtesten verständliche Gericht auf der Seite.
- Vorspeise und Dessert lässt er aus.
- Nach Empfehlungen fragt er nicht, weil das Gespräch für beide Seiten mühsam ist.
- Er bleibt kürzer. Ein 2. Glas würde ein weiteres Gespräch erfordern.
Eine Karte in der Sprache des Gastes setzt an allen 4 Punkten an. Für die Bereitstellung entstehen keine zusätzlichen Kosten.
Ein weiterer Effekt wird selten bedacht: Das Personal muss die Karte nicht mehr mündlich übersetzen. In der Hochsaison spart das an jedem Tisch spürbar Zeit.
Worauf es bei einer mehrsprachigen Karte ankommt
- Regionale Gerichtsnamen bleiben im Original. Der Gast soll „pierogi“ bestellen, nicht „dumplings“. Die Beschreibung darunter steht in seiner Sprache.
- Allergene müssen in derselben Sprache wie die Speisekarte angegeben sein. Informationen nur in der Landessprache helfen einem Gast nicht, der diese nicht lesen kann. Einzelheiten: Allergene auf der Speisekarte.
- Preise und Währung bleiben unverändert. Rechnen Sie nicht „zur Erleichterung“ in eine andere Währung um. Der Wechselkurs ändert sich, am Ende gibt es Streit über die Rechnung.
- Eine Speisekarte, nicht mehrere Dokumente. Getrennte Dateien je Sprache führen innerhalb weniger Monate zwangsläufig zu unterschiedlichen Ständen.
- Die Sprachauswahl muss sichtbar sein. Der Gast sollte sie in 2 Sekunden finden, ohne suchen zu müssen.
So funktioniert es in WMenu
Sie pflegen die Speisekarte in Ihrer eigenen Sprache. Das System stellt sie in über 80 Sprachen bereit. Gäste wählen ihre Sprache beim Öffnen oder wechseln sie mit einem Tippen. Eine Preisänderung, ein neues Gericht oder die Deaktivierung eines Artikels wird einmal vorgenommen und gilt für alle Versionen.
Wo die automatische Fassung nicht ausreicht — bei regionalen Namen oder eigenen Spezialitäten — ersetzen Sie die Übersetzung durch Ihren Text. Dieser bleibt erhalten.
Mehr auf der Seite mehrsprachige Speisekarte. Wie das in echten Lokalen aussieht, zeigen die QR-Menü-Beispiele.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Sprachen sollte die Karte eines Touristenrestaurants haben?
Bei manueller Übersetzung sind 1–2 Sprachen realistisch, weil jede einzeln kostet. Bei einer digitalen Karte gibt es keinen Grund, unter einem Dutzend zu bleiben — jede weitere Sprache kostet nichts.
Wie finde ich heraus, welche Sprachen meine Gäste brauchen?
Am einfachsten: Notieren Sie 2 Wochen lang an der Kasse, in welcher Sprache Gäste nach der Karte fragen. Ergänzen Sie die Suchanfragenstatistik Ihres Google-Unternehmensprofils.
Soll ich regionale Gerichtsnamen übersetzen?
Nein. Der Name bleibt im Original, darunter steht ein Satz zur Erklärung in der Sprache des Gastes. So weiß der Gast, was er bestellt, und kann es der Servicekraft nennen.
Soll ich Preise in eine andere Währung umrechnen?
Nein. Der Wechselkurs schwankt, und ein umgerechneter Preis auf der Karte führt zu Streit über die Rechnung. Der Preis bleibt in der Landeswährung.

