Die Restaurantschließungen 2020 haben den Wechsel von gedruckten zu elektronischen Speisekarten beschleunigt.
Bisher begnügen sich die meisten Betreiber mit einem Foto der Speisekarte — auf ihrer Website oder in sozialen Medien. Für den Gast läuft es so ab: Er tippt auf einen Link in der Instagram-Bio oder scannt einen Code am Tisch. Das funktioniert, bis zur ersten Preisänderung.
„Wegen der Pandemie und der Restaurantschließungen im April 2020 mussten wir unsere sehr umfangreiche Speisekarte verkleinern. Nach der Aufhebung der Einschränkungen erstellten wir eine kürzere Karte und brachten Aufkleber mit QR-Codes auf den Tischen an“, berichtet die Restaurantkette Marchellis.
Eine Zeit lang waren eigene mobile Apps beliebt, die Speisekarte, Kundenkarte und Feedbackkanäle miteinander verbinden. Inzwischen hat sich gezeigt, dass dieser Weg zu umständlich ist.
Um die App nutzen zu können, muss man sich zunächst an das Passwort für den App-Store erinnern und sie von dort auf das eigene Handy herunterladen. Dafür muss der Gast Zeit und Mühe aufwenden. Anschließend belegt die App Speicherplatz auf seinem Handy. Nicht jeder kann eine solche „Einstiegshürde“ überwinden.
Ein Foto der Karte im Internet ist erst der Anfang. An dieselbe Speisekarte lassen sich Bestellungen am Tisch, Abholung, Lieferung, Tischreservierungen und Bewertungen anbinden. Der QR-Code wird so zum zentralen Kontaktpunkt zwischen Restaurant und Gast.
Ein eigener Bestellkanal holt außerdem einen Teil der Lieferungen von den Plattformen zurück. Öffentlich genannt werden Provisionen von etwa 13–30 % des Bestellwerts bei Lieferando; Uber Eats nennt in seiner deutschen Preisliste 30 % mit eigenem Kurier und 14 % bei Lieferung durch das Restaurant; der Satz hängt vom Paket, vom Vertrag und davon ab, ob der Kurier der Plattform liefert. Eigene Lieferung kostet ebenfalls — Fahrer, Verpackung, Zahlungsgebühren —, sie lohnt sich vor allem für Stammgäste aus der Nachbarschaft. Eine komplette Bestellung rechnen wir im Beitrag zu den Provisionen der Lieferplattformen durch.
Entwickler aus Warschau schaffen Lösungen nicht nur für lokale Unternehmen. So expandiert etwa die elektronische Speisekarte WMenu auch in weitere Regionen.

