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Regionale Gerichte auf der englischen Speisekarte – die Regel gegen Fehlübersetzungen

15. August 2026
Regionale Gerichte mit ihren Beschreibungen auf einem Tisch

Die schlimmsten Übersetzungen auf Speisekarten entstehen nicht durch schlechtes Englisch. Sie entstehen durch zu viel Eifer: Jemand übersetzt den Namen, statt das Gericht zu beschreiben.

Dann bestellt ein Gast „Hunter's Stew“, die Servicekraft weiß nicht, was gemeint ist, und in der Küche hat noch niemand Bigos anders als Bigos genannt. Im Extremfall – noch immer auf Speisekarten in Europa zu sehen – wird aus einem polnischen Heringsgericht „follow in oil“, weil die Maschine śledź als Verb im Imperativ gelesen hat.

Die folgende Regel verhindert die meisten dieser Fehler. Mit der anschließenden Methode lässt sich an einem Nachmittag eine eigene Liste aufbauen.

Die Regel: Der Name bleibt, die Beschreibung kommt dazu

Wer nach Spanien reist, möchte Fabada essen, nicht „Asturian bean stew“. Ein Gast in Polen möchte Pierogi, nicht „Polish dumplings“. Auf den Gerichtsnamen zeigt er, diesen nennt er der Servicekraft und tippt ihn später ins Handy. Wer ihn ersetzt, nimmt dem Gast diesen Bezugspunkt.

Dieses Format funktioniert:

Żurek                                             24 zł
Sour rye soup with white sausage and egg

Der Originalname steht in der Gerichtszeile, darunter 1 Satz als Beschreibung in kleinerer Schrift. Das englische Beispiel bedeutet: saure Roggensuppe mit weißer Wurst und Ei. Die Beschreibung beantwortet 2 Fragen: Was ist das? Und was ist darin? Sonst nichts.

3 Gruppen, die nie übersetzt werden

  1. Traditionelle Gerichtsnamen – Bigos, Żurek, Fabada, Cassoulet, Ribollita, Sauerbraten. Der Name bezeichnet das Gericht.
  2. EU-geschützte Bezeichnungen – Oscypek, Manchego, Prosciutto di Parma, Roquefort, Kalamata. Diese Namen sind rechtlich geschützt. Sie zu übersetzen ist keine Stilfrage, sondern ein Fehler.
  3. Haus- und Markennamen – „The Chef's Board“, „Grandma's Set“. Sie bleiben stehen, auch wenn sie im Ausland ungewöhnlich klingen.

Was die Beschreibung richtig machen muss

Benennen, was überraschen könnte. Innereien, Blut, saure Aromen, rohes Rindfleisch, Schweinefleisch. Wer das erst am Tisch entdeckt, lässt den Teller stehen und schreibt eine Bewertung. Wer es liest und trotzdem bestellt, ist genau der richtige Gast für das Gericht.

„Stew“ allein sagt nichts. Das Wort umfasst alles Geschmorte. Erst mit 2 Zutaten wird es aussagekräftig: pork and cabbage stew für einen Eintopf mit Schweinefleisch und Kohl, bean and chorizo stew für einen Eintopf mit Bohnen und Chorizo.

Auf falsche Freunde achten. Unter ham verstehen die meisten Englischsprachigen Kochschinken. Luftgetrockneter Schinken muss deshalb genauer beschrieben werden: cured ham, aged 24 months, also 24 Monate gereifter Rohschinken. Buchweizen ist kein porridge. Ein paniertes Schweineschnitzel heißt im englischen Alltag nicht einfach cutlet.

Sagen, wie das Gericht serviert wird. Served warm heißt warm serviert, for sharing zum Teilen, carved at the table am Tisch tranchiert, some of them hot teilweise scharf. Die Hälfte der Fragen an Servicekräfte betrifft die Art des Servierens, nicht die Zutaten.

Eine eigene Liste an einem Nachmittag aufbauen

Dafür braucht es kein Wörterbuch der Landesküche. Die eigene Speisekarte reicht.

  1. Die 20 meistverkauften Gerichte nehmen. Sie machen den Großteil des Umsatzes aus, und nach ihnen fragen Gäste am ehesten.
  2. Zu jedem Gericht 1 Satz schreiben: Was ist es, und was ist darin? Zuerst in der eigenen Sprache formulieren, dann den Satz übersetzen – nicht den Namen.
  3. Die 20 Sätze nacheinander laut vorlesen. Wiederholte Anfänge wie „Traditionelles Gericht aus …“ oder „Klassisch …“ fallen sofort auf. Sie lassen eine Karte maschinell geschrieben wirken.
  4. Die ersten 10 Maschinenübersetzungen prüfen. Wer mit einer automatischen Übersetzung beginnt, prüft die ersten 10 von Hand und notiert die Art der Fehler. Derselbe Fehler wird auch in den nächsten 50 stehen.
  5. Die Datei einer Servicekraft aus dem Gastraum geben. Sie weiß, zu welchen Gerichten Gäste Fragen stellen. Ihre Liste wird anders aussehen als die eigene.

Wie die Liste aktuell bleibt

Ein Wörterbuch in einem separaten Dokument weicht innerhalb von 3 Monaten von der Speisekarte ab: Ein Gericht ändert sich, die Karte wird angepasst, und niemand öffnet die Übersetzungsdatei.

Dauerhaft funktioniert dieselbe Lösung wie bei Allergenen: Die Beschreibung steht direkt beim Gericht, neben Preis und Zutaten. Eine Rezeptänderung braucht dann 1 Bearbeitung statt 2. Verlässt ein Gericht die Karte, verschwindet seine Übersetzung mit ihm. Niemand muss eigens daran denken.

Wie viele Sprachen tatsächlich nötig sind und wie sich das herausfinden lässt, steht in Wie viele Sprachen braucht Ihre Speisekarte?. Wie die fertige Karte aussieht, zeigt die Seite zum mehrsprachigen Menü.

Häufig gestellte Fragen

Soll der Gerichtsname übersetzt werden oder bleiben?

Er bleibt. Auf den Originalnamen zeigt der Gast, unter diesem bestellt er und sucht später danach. Darunter steht 1 Satz als Beschreibung in seiner Sprache.

Was gilt für geschützte Bezeichnungen?

Sie werden nie übersetzt. Manchego, Oscypek, Roquefort und Prosciutto di Parma sind geschützte Namen. Eine Übersetzung verwirrt den Gast und nimmt ihnen ihre rechtliche Bedeutung.

Reicht eine Maschinenübersetzung für die Speisekarte?

Für die Beschreibung als Ausgangspunkt. Für den Gerichtsnamen nicht – daher stammen Fehler wie „follow in oil“. Wer die ersten 10 Übersetzungen von Hand prüft, erkennt das Fehlermuster des Systems.

Wie lang sollte eine Beschreibung sein?

1 Satz: Was ist es, und was ist darin? Längere Texte konkurrieren mit der Entscheidung des Gastes, statt sie zu erleichtern.

Wie beschreibt man Innereien und ungewöhnliche Zutaten?

Klar benennen: tripe für Kutteln, blood sausage für Blutwurst, pig's ear für Schweineohr. Verschweigen kostet einen stehen gelassenen Teller und eine schlechte Bewertung. Klarheit kostet nur die Gäste, die das Gericht ohnehin nie bestellt hätten.

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